Vieille Williamine Morand – Walliser Williamsbirne mit Zeit und Tiefe
Mit der Vieille Williamine Morand 50 cl kommt eine besonders charaktervolle Schweizer Spezialität in unser Sortiment. Sie verbindet die intensive Frucht der Walliser Williamsbirne mit der zusätzlichen Tiefe einer Fassreifung und zeigt damit eine ganz andere Seite eines der bekanntesten Obstbrände der Schweiz.
Hergestellt wird sie von der Distillerie Louis Morand & Cie SA in Martigny, einem Familienunternehmen, dessen Geschichte bis ins Jahr 1889 zurückreicht. Kaum ein anderer Name ist in der Schweiz so eng mit der Williamsbirne verbunden wie Morand.
Williamine – ein Stück Wallis in der Flasche
Das Wallis bietet besondere Bedingungen für den Obstbau. Das Rhonetal mit seinen sonnigen Hängen, warmen Tagen und ausgeprägten Temperaturunterschieden hat sich nicht nur als Weinregion einen Namen gemacht. Auch Obst, darunter die Williamsbirne, spielt seit Langem eine wichtige Rolle.
Für ihre Williamine verwendet Morand ausschliesslich Williamsbirnen.
Die Sorte ist für ihren ausgesprochen intensiven Duft bekannt. Eine reife Williamsbirne besitzt eine Aromatik, die sich kaum mit einer neutraleren Tafelfrucht vergleichen lässt: saftig, süsslich, floral und unmittelbar als Birne erkennbar.
Genau diese Aromatik macht sie besonders interessant für die Destillation.
Morand begann Ende der 1940er-Jahre mit der Herstellung eines Eau-de-vie aus Williamsbirnen. Die ersten Versuche waren so erfolgreich, dass die Brennerei grössere Mengen der empfindlichen Früchte von Walliser Produzenten kaufte. Damit entstand gleichzeitig ein neuer Absatzmarkt für die regionalen Obstbauern.
Der Name Williamine wurde 1953 in der Schweiz als Marke registriert. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich das Produkt zu einem der bekanntesten Erzeugnisse der Distillerie Morand und weit über die Grenzen des Wallis hinaus zu einem Botschafter Schweizer Brennkunst.

Was macht die Vieille Williamine anders?
Die klassische Williamine lebt vor allem von der Klarheit und Direktheit ihrer Frucht.
Bei der Vieille Williamine kommt ein weiterer Faktor hinzu: Zeit.
Die Spezialität basiert auf Williamsbirnenbrand aus dem Wallis AOP, der im Fass gereift wird. Dadurch verändert sich das Profil deutlich. Die typische Williamsbirne bleibt im Mittelpunkt, wird jedoch runder und komplexer. Zu den klaren Birnenaromen treten feinere Reifungsnoten, darunter ein leichter Anflug von Vanille.
Morand beschreibt die Vieille Williamine als rund, weich und lang anhaltend. Sie wird mit 41 % Vol. abgefüllt und kommt in der 50-cl-Flasche.
Gerade dieser Kontrast macht sie interessant: Auf der einen Seite steht eine ausgesprochen fruchtbetonte Spirituose, auf der anderen die ruhigere und wärmere Aromatik, die durch die Fassreifung entsteht.
Die Frucht wird dabei nicht versteckt. Vielmehr erhält sie einen neuen Rahmen.
Williamsbirne, Vanille und ein langer Abgang
Schon in der Nase steht die Williamsbirne klar im Vordergrund.
Dabei erinnert das Aroma nicht einfach nur an eine allgemein fruchtige Spirituose. Der Duft einer guten Williams-Spezialität besitzt diese fast unmittelbar erkennbare Verbindung aus frischer und reifer Birne.
Bei der Vieille Williamine kommen leicht würzige und vanillige Nuancen hinzu.
Am Gaumen wirkt sie rund und weich, mit ausgeprägter Frucht und einer gewissen Süsse. Der Abgang ist intensiv und vergleichsweise lang.
Auch eine Falstaff-Verkostung aus dem Jahr 2024 beschreibt neben getrockneter und frischer Birne würzige Elemente sowie eine gute Intensität und Länge. Die Vieille Williamine erhielt dabei 89–91 Punkte.
Damit ist sie deutlich mehr als der klassische klare Obstbrand, der nach dem Essen schnell serviert wird.
Sie ist eine Spirituose, bei der es sich lohnt, etwas länger im Glas zu bleiben.

Morand – Familiengeschichte seit 1889
Hinter der Vieille Williamine steht eine Brennerei mit ungewöhnlich langer Geschichte.
Louis Morand gründete die Distillerie 1889 in Martigny. Bereits 1900 zog das Unternehmen an seinen heutigen Standort. Aus den anfänglichen Destillaten, Likören und regionalen Spezialitäten entwickelte sich über mehrere Generationen ein Familienunternehmen, das heute zu den bekannten Namen der Schweizer Spirituosenwelt gehört.
Vier Generationen der Familie haben das Wissen der Brennerei weitergeführt und gleichzeitig immer wieder neue Produkte entwickelt.
Der Bezug zum Wallis blieb dabei konstant.
Morand betont bis heute die Bedeutung regionaler Rohstoffe und der Qualität der verwendeten Früchte. Gerade bei Obstbränden ist das entscheidend: Destillation kann schlechte Früchte nicht in ein grossartiges Destillat verwandeln. Der Ausgangspunkt bleibt immer die Qualität und Reife des Obstes.
Die Erfolgsgeschichte der Williamine zeigt zudem, wie eng Brennerei und Landwirtschaft miteinander verbunden sein können. Die steigende Nachfrage nach dem Destillat trug dazu bei, dass im Wallis mehr Williamsbirnen angebaut wurden.
Wie trinkt man Vieille Williamine?
Eine Spezialität wie die Vieille Williamine sollte nicht zu kalt serviert werden.
Zu niedrige Temperaturen unterdrücken gerade jene Frucht- und Reifungsaromen, die sie interessant machen. Ein kleines Spirituosenglas mit leicht zulaufender Form eignet sich besser als ein breites Glas, weil sich die feinen Birnenaromen darin konzentrieren können.
Klassisch bietet sie sich nach dem Essen als Digestif an.
Interessant ist sie aber ebenso als ruhiger Abschluss eines Abends zu Käse, einem nicht zu süssen Dessert oder einfach ohne Begleitung.
Wer bereits klassische Williamsbrände kennt, bekommt mit der Vieille Williamine eine Gelegenheit, die vertraute Frucht in einer reiferen und weicheren Form zu entdecken.
Eine typisch schweizerische Spezialität
In einer Spirituosenwelt, die stark von Whisky, Rum und Gin geprägt wird, geraten hochwertige Obstbrände manchmal etwas in den Hintergrund.
Dabei gehört gerade diese Kategorie zu den traditionsreichsten Destillaten Mitteleuropas.
Die Vieille Williamine Morand zeigt, warum es sich lohnt, sie wiederzuentdecken. Sie braucht keine exotischen Zutaten und keine komplizierte Geschichte. Im Zentrum steht eine einzige charaktervolle Frucht aus dem Wallis, dazu die Erfahrung einer Brennerei, die seit mehr als einem Jahrhundert mit regionalen Rohstoffen arbeitet.
Williamsbirne, Destillation und Fassreifung – viel mehr braucht es nicht.
Und gerade darin liegt der Reiz dieser aussergewöhnlich schweizerischen Spirituose.